Was sind PFAS?

PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen) umfassen nach der OECD-Definition von 2021 eine sehr große Gruppe von über 10 000 bekannten synthetischen Verbindungen, die oft wasser-, fett- und schmutzabweisenden Eigenschaften aufweisen sowie durch ihre extreme Beständigkeit gekennzeichnet sind. Bei bestimmten Anwendungen gelten sie derzeit noch als unverzichtbar.

 

Aufgrund ihrer hohen chemischen und thermischen Stabilität werden viele PFAS nur sehr langsam abgebaut. Deshalb lassen sie sich inzwischen in der Umwelt sowie in der Nahrungskette nachweisen und werden oft auch als Ewigkeitschemikalien bezeichnet.

Wo werden PFAS eingesetzt?

Seit den 1950er Jahren kommen sie weltweit in einer Vielzahl von Industriezweigen, Alltagsprodukten und chemischen Formulierungen zum Einsatz. Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung sind vor allem großvolumige Quellen wie perfluorierte Kältemittel und Pestizide besonders umweltrelevant, auch wenn zahlreiche alltagsnahe Anwendungen ebenfalls zur zunehmenden Belastung der Umwelt mit PFAS beitragen.

 

Im folgenden einige Beispiele für den Einsatz von PFAS:

 

  • Kältemittel in Klimaanlagen, Wärmepumpen und Industrie-Kühlsystemen
  • Pestizide (Pflanzenschutzmittel, Biozide)
  • Konsumgüter und Spezialanwendungen, etwa:
    • wasserabweisenden und atmungsaktiven Textilien
    • schmutz-, fett- und wasserabweisenden Verpackungen
    • bestimmte Arzneimittel
    • Kosmetika und Körperpflegeprodukten
    • Feuerlöschschäume (hier wurde der Einsatz teilweise bereits beschränkt)
    • Imprägniermittel und Sprays
    • Beschichtungen von Textilien, Teppichen und Möbeln

 

In Österreich sind nach Angaben des Umweltbundesamtes derzeit rund 260 verschiedene PFAS-Substanzen in breiter technischer Verwendung.

Wie gelangen PFAS in die Umwelt?

Die Eintragspfade von PFAS in die Umwelt sind vielfältig und spiegeln die unterschiedlichen Verwendungsbereiche wider:

 

  • Atmosphärischer Eintrag: Flüchtige PFAS-haltige Gase (z.B. aus Kältemitteln) entweichen in die Luft, verteilen sich global und gelangen über Regen in den Wasserkreislauf.
  • Direkter Eintrag in die Umwelt: Durch den Einsatz von Pestiziden auf landwirtschaftlichen Flächen gelangen PFAS unmittelbar in Böden und in weiterer Folge ins Grundwasser.
  • Diffuse Einträge via Abwasser: Verschiedene Substanzen aus Alltagsprodukten landen im Abwasser (z.B. Arzneimittelrückstände, Kosmetika oder ausgewaschene Textilien). Kläranlagen entfernen PFAS nur unzureichend, weshalb sie in Flüsse gelangen oder sich im Klärschlamm anreichern und je nach Verwendungsweg Böden belasten können.
  • Industrielle Punktquellen: Produktionsprozesse, Sickerwässer von Deponien oder Feuerlöschübungsplätzen führen zu lokalen Kontaminationen.

 

Weil PFAS kaum abbaubar sind, ist es im Sinne des vorbeugenden Ressourcenschutzes besonders wichtig Einträge, im Sinne des Verursacherprinzips, bereits an der Quelle zu vermeiden.

PFAS im Trinkwasser

In Österreich wird Trinkwasser streng kontrolliert. Die auf EU-Vorgaben basierende Trinkwasserverordnung sieht seit Jänner 2026 die Überwachung von 20 PFAS Substanzen vor.

 

  • Summe von PFAS (PFAS-20): Dieser Summenwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter (µg/L), erfasst 20 spezifischen Einzelsubstanzen, die im europäischen Raum für 90 % der PFAS-Funde im Wasser verantwortlich sind.

 

Dieser Wert beruht auf dem Vorsorgeprinzip und sind so festgelegt, dass Trinkwasser ein Leben lang unbedenklich konsumiert werden kann. Eine Überschreitung bedeutet keine akute Gesundheitsgefährdung, erfordert aber umgehend behördlich abgestimmte Maßnahmen.

 

Ergänzend dienen die EU-Wasserrahmenrichtlinie, die Richtlinie über Umweltqualitätsnormen und die Grundwasserrichtlinie dem Schutz von Oberflächen- und Grundwasser. Sie enthalten beziehungsweise ergänzen PFAS-bezogene Qualitäts- und Überwachungsvorgaben für Gewässer.

TFA rückt in den Fokus

Trifluoressigsäure (TFA) ist der kleinste Vertreter der PFAS-Gruppe. Aufgrund ihrer hohen Mobilität und Beständigkeit verbreitet sie sich weit im Wasserkreislauf und wird zunehmend in Grund-, Oberflächen- und Trinkwasser nachgewiesen. TFA entsteht als Abbauprodukt verschiedener fluorierter Verbindungen, unter anderem aus Kältemitteln, Pflanzenschutzmitteln und weiteren PFAS-Vorläufern.

Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) stuft TFA aufgrund ihrer Gefahreneigenschaften als fortpflanzungsgefährdend ein und bewertet sie zugleich als sehr persistent und sehr mobil. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat den zulässigen Tageswert (ADI) für TFA aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, auf 0,014 mg/kg Körpergewicht pro Tag gesenkt (2026).

Für die Praxis heißt das: Vorsorge und Eintragsminderung gewinnen weiter an Bedeutung, da TFA mit herkömmlichen Aufbereitungsverfahren nur begrenzt aus dem Wasser entfernt werden kann. Gerade bei TFA zeigt sich, dass ein nachhaltiger Trinkwasserschutz nur durch konsequente Schadstoffreduktion an der Quelle zu erreichen ist.

Wie kann man PFAS aus dem Trinkwasser entfernen?

PFAS lassen sich heute mit Aktivkohle, Ionenaustausch oder Membranverfahren aus Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung entfernen. Diese Verfahren sind je nach Stoff, Konzentration und Wasserzusammensetzung unterschiedlich wirksam, technisch anspruchsvoll und kostenintensiv. Nach einer von EurEau unter Verweis auf das Forever Pollution Project zitierten Schätzung könnten für die PFAS-Entfernung aus Trinkwasser in Europa Mehrkosten von bis zu 18 Milliarden Euro jährlich entstehen.

 

Das Problem wird dadurch jedoch nicht vollständig gelöst, sondern verlagert, da PFAS dabei nicht zerstört, sondern in Retentaten, Schlämmen oder Filtermaterial konzentriert weiter vorhanden bleiben. Es sind daher zusätzliche Entsorgungswege oder thermische Verfahren im Hochtemperaturbereich (über 1000°C bis 1500°C) erforderlich.

Die Position der ÖVGW zu PFAS

Die Österreichische Vereinigung für das Gas- und Wasserfach (ÖVGW) als Interessensvertretung der Trinkwasserversorger betont beim Umgang mit PFAS vor allem den vorsorgenden Schutz der Trinkwasserressourcen und die Vermeidung weiterer Einträge in die Umwelt. Die ÖVGW verweist zugleich auf die wachsenden Anforderungen bei Monitoring, Bewertung und Aufbereitung in der Wasserversorgung, damit auch künftig hochwertiges Trinkwasser in verlässlicher Qualität zur Verfügung steht.

Erstellt von: ÖVGW/Amschl
Erstellt am: 3. September 2026
Beitragsfoto: © Adobestock

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