Unser Wasserfußabdruck in der Welt
Wenn wir an unseren täglichen Wasserverbrauch denken, kommen uns meist Duschen, Kochen oder Wäschewaschen in den Sinn. Doch das ist nur ein kleiner Teil der Wahrheit. Tatsächlich verbrauchen wir weit mehr Wasser, als aus unserem Wasserhahn fließt.
Trinkwasser in Österreich – eine wertvolle Ressource
Österreich ist ein wasserreiches Land. Jährlich fällt so viel Niederschlag, dass man damit beispielsweise den Wörthersee etwa 25-mal oder den Bodensee zweimal füllen könnte.
Unser Trinkwasser stammt in Österreich zu 100 % aus Grundwasser (Brunnen und Quellen). Über 5.500 Wasserversorger und ein rund 81.000 Kilometer langes Leitungsnetz stellen sicher, dass wir rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr, frisches Trinkwasser zur Verfügung haben.
Allerdings ist das Wasser nicht überall gleich verteilt: Während der gebirgige Westen sehr wasserreich ist, gelten manche flachen Regionen im Osten und Süden als vergleichsweise wasserarm.
Im Durchschnitt verbraucht jede Person in Österreich rund 130 Liter Wasser pro Tag im Haushalt.
Doch das ist längst nicht alles.
Was ist „virtuelles Wasser“?
Neben dem sichtbaren Wasserverbrauch gibt es auch das sogenannte virtuelle Wasser.
Damit ist die Wassermenge gemeint, die zur Herstellung eines Produkts benötigt wird – auch wenn man sie im fertigen Produkt nicht sehen kann.
Ob Lebensmittel, Kleidung oder digitale Dienste: Für Anbau, Bewässerung, Verarbeitung, Kühlung oder Reinigung wird Wasser benötigt. Dieses „versteckte“ Wasser fließt in unseren persönlichen Wasserfußabdruck ein.
Je mehr virtuelles Wasser wir indirekt verbrauchen, desto größer ist unser Wasserfußabdruck.
Wie viel Wasser steckt in unserem Alltag?
Einige Beispiele zeigen, wie stark unser tatsächlicher Wasserverbrauch über die 130 Liter aus dem Haushalt hinausgeht:
- Tomaten: In einem Kilogramm Tomaten stecken je nach Herkunft zwischen 30 und 350 Liter Wasser. In Österreich produzierte Tomaten benötigen 30 Liter Wasser pro Kilogramm.
- Rindfleisch: Rindfleisch zählt weltweit zu den wasserintensivsten Lebensmitteln. Für ein Kilogramm werden im Durchschnitt rund 15.000 Liter Wasser benötigt. Auf unseren Konsum umgerechnet ergibt das etwa 510 Liter virtuelles Wasser pro Person und Tag. – Hier sollte man auf die Herkunft der Lebensmittel achten und regionale Produkte bevorzugen.
- Burger: In einem Fleischlaibchen (150 g), beispielsweise für einen Burger, stecken. 2.200 Liter Wasser. Das entspricht etwa 15 vollgefüllten Badewannen.
- Kaffee: Unser jährlicher Kaffeekonsum entspricht rund 224 Litern Wasser pro Tag und Person.
- Baumwolle: Kleidung aus Baumwolle benötigt etwa 286 Liter Wasser pro Tag und Person.
- Mobiltelefon: Für die Herstellung eines einzigen Smartphones werden 910 Liter Wasser benötigt.
- Künstliche Intelligenz und digitale Dienste: Auch digitale Anwendungen verbrauchen Wasser – vor allem für die Kühlung von Rechenzentren. Eine einzelne KI-Abfrage benötigt rund 0,5 Liter Wasser. Je nach Nutzung summiert sich das auf mehrere Liter pro Tag.
Hier noch ein kurzer – nicht vollständiger – Überblick, über die eingesetzten Wassermengen bei der Produktion von Produkten und Lebensmittel:
- eine Tasse Tee: 27 Liter Wasser
- ein Mikrochip (2 g) benötigt 32 Liter Wasser
- ein Hühnerei: 200 Liter Wasser
- ein Kilogramm Orangen: 560 Liter Wasser
- ein Kilogramm Bananen: 1.000 Liter Wasser
- ein Kilogramm Weizen: 1.350 Liter Wasser
- ein Kilogramm Reis: 2.700 Liter Wasser
- ein Kilogramm Käse: 3.200 Liter Wasser
- ein Kilogramm Butter: 3.300 Liter Wasser
- die Produktion eines durchschnittlichen PKWs benötigt ca. 400.000 Liter Wasser
Laut der Studie „Virtuelles Wasser 2021“ liegt der gesamte virtuelle Wasserverbrauch in Österreich bei rund 4.700 Litern pro Person und Tag. Das entspricht etwa 30 Badewannen mit jeweils 150 Litern. Der direkte Haushaltsverbrauch von 130 Litern macht also nur einen kleinen Teil unseres tatsächlichen Wasserverbrauchs aus.
Wasserverbrauch weltweit: Verantwortung und Herausforderungen
Wie viel Wasser ein Produkt tatsächlich benötigt, hängt stark von den Produktionsbedingungen ab:
- In welchen klimatischen Regionen wird es hergestellt?
- Reicht natürlicher Regen aus oder ist künstliche Bewässerung notwendig?
- Wird Wasser nachhaltig genutzt oder verschmutzt?
Problematisch wird es vor allem dann, wenn wasserintensive Produkte in trockenen, niederschlagsarmen Regionen erzeugt werden.
Gleichzeitig verschärft der Klimawandel die Situation weltweit. Wasser wird zunehmend zu einer knappen Ressource – und unser Konsumverhalten spielt dabei eine entscheidende Rolle.
Wie kann ich meinen Wasserfußabdruck verkleinern?
Die gute Nachricht: Jede und jeder von uns kann etwas tun.
- Bedarfsorientiert einkaufen und Produkte länger nutzen
- Kleidung, Elektrogeräte und Alltagsgegenstände bewusst auswählen
- Regional und saisonal einkaufen
- Lebensmittelverschwendung vermeiden
- Leitungswasser statt abgefülltem Wasser trinken
- Baumwolle öfter durch Leinen ersetzen – Leinen benötigt rund 70–85 % weniger Wasser
Oft sparen wir durch bewussten Konsum deutlich mehr Wasser ein als durch kürzeres Duschen allein.
Der wahre Wasserverbrauch
Unser tatsächlicher Wasserverbrauch ist also viel größer, als wir denken. Während wir im Haushalt 130 Liter täglich nutzen, liegt unser gesamter Wasserfußabdruck bei rund 4.700 Litern pro Tag.
Wer seinen Konsum bewusster gestaltet, leistet einen wichtigen Beitrag zum Schutz dieser lebenswichtigen Ressource – heute und für zukünftige Generationen.