„Das ÖVGW-Symposium Wasserversorgung ist so etwas wie der Neujahrsempfang der österreichischen Trinkwasserwirtschaft“, sagte ÖVGW-Vizepräsident Nikolaus Sauer bei der Eröffnung. Von 22. bis 23. Jänner 2025 fand das Symposium Wasserversorgung in der WKO in Wien statt, bei dem sich mehr als 200 Expertinnen und Experten trafen, um über die zukünftigen Herausforderungen der Trinkwasserversorgung zu diskutieren.
„Die Sicherung der Trinkwasserqualität, der Grundwasserschutz, sowie der Vorrang der Trinkwasserversorgung vor anderen Nutzungen bei Wasserknappheit und die Erhaltung und Erneuerung der Infrastruktur, werden die Schwerpunkte in den nächsten Jahren sein“, sagte Nikolaus Sauer, der seit Jahresanfang neuer ÖVGW-Vizepräsident ist.
EU und der „Green Deal“
„Der Green Deal ist tot,” so Oliver Loebel, EurEau-Generalsekretär (European Federation of National Associations of Water Services). Der Green Deal, der ursprünglich umweltfreundliche Initiativen wie den Verzicht auf PFAS und den reduzierten Pestizideinsatz beinhaltete, wird nun durch das Konzept der „Wasserresilienz“ ersetzt. Ein neues EU-Papier zur Wasserstrategie wird bis Ende 2025 erwartet.
Risikomanagement in der Trinkwasserversorgung
Die EU-Trinkwasserrichtlinie fordert ab 2029 eine risikobasierte Bewertung der Trinkwasserversorgung. „Im Gegensatz zu Österreich, wo die Risikobewertung des Einzugsgebietes von staatlichen Stellen durchgeführt wird, ist in Deutschland die Bewertung des Einzugsgebietes Aufgabe der Trinkwasserversorgungsunternehmen und muss bis November 2025 durchgeführt werden“, berichtete Berthold Niehus vom DVGW (DVGW Deutscher Verein des Gas- und Wasserfaches). Wie Niehus mitteilte, sieht der DVGW die Notwendigkeit einer verhältnismäßigen und pragmatischen Umsetzung dieser Vorschrift, die den Möglichkeiten der Betreiber Rechnung trägt.
Neue ÖVGW-Regeln
Stefan Krakow, Referent Wasser bei der ÖVGW (Österreichische Vereinigung für das Gas-und Wasserfach), stellte die Änderungen der neuen überarbeiten ÖVGW-Richtlinie W 72 „Schutz- und Schongebiete“, der Richtlinien W 77 „Bereitstellung von Löschwasser“ mit geänderten Richtwerten für den Löschwasserbedarf und den Grundschutz sowie die W 78 „Wasserentnahme aus Hydranten“ vor. Die Richtlinie W 78 enthält Hinweise zur Wasserentnahme aus Hydranten, bei der negative Auswirkungen auf das Trinkwasser vermieden werden sollen. So sollten Löschfahrzeuge, zur Vermeidung von Druckstößen, mit langsam schließenden Armaturen ausgerüstet sein.
Folgen der Hochwasserkatastrophe
Der zweite Tag des ÖVGW Symposiums Wasserversorgung stand ganz im Zeichen der Erfahrungen mit der Hochwasserkatastrophe in Niederösterreich im September 2024.
Trotz großer Schäden an der Infrastruktur (ca. 5 Millionen Euro) konnte durch rechtzeitige Wetterwarnungen und Maßnahmen wie die Absenkung des Wasserspiegels in den Stauseen sowie die in den letzten Jahren fertiggestellten Hochwasserschutzbauten konnten weitere Auswirkungen vermieden werden.
Fachlicher Austausch
Das Symposium bot nicht nur einen fachlichen Austausch, sondern auch einen Blick auf die kommenden Herausforderungen, insbesondere in den Bereichen Resilienz, Krisenmanagement und Infrastruktur. Darüber hinaus bot sich wieder eine ausgezeichnete Gelegenheit, nicht nur den fachlichen, sondern auch den persönlichen Austausch mit Kolleginnen und Kollegen zu pflegen.
Fotos: ©Max Slovencik